Big Brother - allgegenwärtig?

#1

In einem Kleininserat im aktuellen SAZ gelesen:

“Zu verkaufen 4 bis 5 getönte Spiegel, 130 x 240, NP: 700.–, jetzt 250.-- pro Stück.”

Tja, da stellt sich die Frage, ob es sich da um solche ominöse “durchsichtige” Spiegel handelt, durch die man von einem Nebenraum aus die Szenerie beobachten kann. Ich mag Spiegel grundsätzlich nicht, das lenkt ab und dann bleibt immer das ungute Gefühl, dass sich da andere gerade köstlich ‘live’ am Gebotenen amüsieren…

Habt Ihr auch schon Eure Erfahrungen/Beobachtungen mit solchen Spiegeln, Gucklöchern oder verstecketen Videokameras gemacht?

#2

Auf dem Aargauer Lokalsender war ein Bericht zu sehen, wonach nun die sündige Meile in Olten total videoüberwacht wird. Es wird nicht nur überwacht, sondern aufgezeichnet! Obwohl für die meisten von uns jene Gegend eh völlig unattraktiv war, so ist es eine Meldung wert. Da wird wohl mancher Spanner, Familienvater oder Geschäftsmann (sofern es solche geschmackslosen Typen davon gibt, die sich überhaupt dorthin wagten) einen weiten Bogen drum machen. Indes: eine solche Investition kostet sicher enorm viel Geld (sechstellig!). Man muss sich fragen, ob sich das lohnt. Wer zahlt denn das? Wahrscheinlich jene Kranken, die dutzendemale dort vorbeifahren und allenfalls nun - BIG BROTHER IS WATCHING YOU - deswegen der Nachtruhestörung überführt werden können. Diese Cams können sogar bei Nacht, Nässe und Nebel einwandfreie Aufnahmen produzieren. Ja, ja, gelobt sei der technische Fortschritt; in England etwa sind ganze Städte schon voll von diesen Dingern; eine boomende Branche!

#3

Ja, das ist eine Meldung wert. Danke Captain Cook. Allerdings kann ich Deine Schadenfreude nicht teilen. Ich finde die Sache Ausdruck von Inkompetenz und Ohnmacht der zustaendigen Stellen. Da man versagt hat, macht man nun Symptombekämpfung und überwacht die Freier, für die gilt wohl kein Datenschutz. Ich wüsste auch noch ein paar Orte, wo man Kameras aufstellen könnte. Nur ginge es dort nicht um Freier. Schön, wenn man bestimmen kann WER Freiwild ist. Es lebe England und vorallem die USA, wo Freier namentlich am Radio genannt werden. Amen.

#4

Na, keine eigentliche Schadenfreude, aber ich finde, dass solche Szenen draussen keine Berechtigung mehr haben. Das stammt aus grauer Vorzeit, als man sich in der CH noch nicht vorstellen konnte, dass es Salons gab. Dann die ewigen Uebergriffe, Ueberfälle und sogar Entführungsversuche. Also, da kann man im Grunde locker drauf verzichten. Und diejenigen, die solche Orte besuchen, sind doch meist Rappenspalter oder solche, die die schwierigen Siutationen jener Frauen gnadenlos (finanziell und menschlich) ausnutzen. Deswegen die Frage, ob sich eine solche Investition überhaupt lohnt oder ob man nicht gleich hätte dicht machen sollen. Uebrigens: in Schweden, das immer wieder als so tolerant gegolten hat, ist auch Schluss mit solchen Szenen. Das mit den USA ist schon krass, da gibt es Internet-Seiten, wo erwischte Freier mit Foto, Namen, Adresse und Autonummer weltweit einsichtbar sind…

#5

Heute kam in der “neuen Mittelland Zeitung” ein ausführlicher Bericht über die Kameraaktion auf dem Oltener Strassenstrich. Im Einsatz sind drei digitale Kameras, die jeweils von fünf Uhr Abends bis um sieben Uhr in der Früh laufen. Die Daten bleiben 72 Stunden gespeichert und werden dann gelöscht. Abrufen kann die Daten nur die Stadtpolizei und darf es auch nur dann tun, wenn es in der entsprechenden Zeit zu einem aufzuklärenden Vorfall gekommen ist. Das ist angeblich auch der Hauptgrund für die 80.000 Fr. teure Aktion. Es ist nämlich in letzter Zeit zu vermehrten Übergriffen gegenüber den Mädchen gekommen (“Freier welche Prostituierte ausrauben oder verprügeln”).
Natürlich ist es der Stadtpolizei ganz recht, wenn sich im Nebeneffekt dadurch der Strich verkleinert oder gar auflöst.

Persönlich kann ich diese Aktion eigentlich nur unterstützen, aus genau den Argumenten, die bereits Captain Cook vorgebracht hat. Und schliesslich geht es ja auch um den Schutz der Mädchen vor echt kranken Typen. Zugegeben, ich würde mich nie an einen solchen Ort verirren, deshalb stört mich die Sache auch nicht persönlich. Trotzdem denke ich generell, wer guten bezahlten Sex sucht und ein Mädchen nicht ausnutzen will, ist in Olten sicher an der falschen Adresse.
Einmal mehr stellt sich hier natürlich die Grundfrage, wann wird Prostitution in der Schweiz endlich voll legalisiert, dass heisst als Beruf mit allen Rechten und Pflichten anerkannt (Sozialversicherungen etc.)?

Es grüsst

Jean Luc

#6

Also ich habe schon Mühe mit der ganzen Überwachungsgeschichte in Olten. Ich selber war noch nie am Strassenstrich in Olten und werde dort sicher auch nicht hingehen, von dem her habe ich also nichts zu befürchten.

Was mich stört, ist einfach die Überwachungsmentalität in unserem Land (auch wenn es nicht so extrem wie in GB oder USA ist). Dass das ganze angeblich nur eingesetzt wird, wenn irgend ein “Verbrechen” vorliegt, halte ich für Blödsinn. Ich war selber schon zweimal bei einem “Besuch” der Polizei in einem Etablissement anwesend - verdammt unangenehm. Und irgendwie stinkt es mir natürlich, wenn ich weiss, dass ich wegen etwas registriert bin, dass ja eigentlich legal ist (oder nicht?).

Ich denke einfach, dass diese Kameras nur der erste Schritt sind, wenn es nach dem Willen der Polizei und gewisser Kreise geht. Dass es dann Leute gibt, die sagen, mir ist das egal, ich gehe schliesslich nicht dorthin, kann ich nich begreifen…

Gruss
Massi

#7

Den Reaktionen nach, war es doch eine Mitteilung wert. Dass soviel Geld ‘nur’ ausgegeben wird um danach Verbrechen aufzuklären, halte ich auch für einen Vorwand. Sicher hofft man auf eine prophylaktische Wirkung; also dass möglichst viele die Gegend meiden (insbesondere kriminelle Elemente). Kann doch keiner erzählen, dass die nicht auch sonst einen Blick auf die Monitore werfen, um zu schauen, was denn da so läuft. Ich persönlich mag die Ueberwachungsmentalität auch nicht, als ich vor 10 Jahren in England erstmals damit konfrontiert wurde, als schon damals ganze Strandabschnitte mit unzähligen Cams überwacht wurden, war mir auch irgendwie mulmig. Irgendwie geht noch die letzte Intimsphäre den Bach runter. Aber an Orten wie dem Beschriebenen halte ich den Einsatz für okay. Probleme könnte es geben, wenn sich plötzlich an einem andern Ort eine Szene etabliert, sozusagen für die Kamerascheuen. Dann kommt es noch soweit, dass diese Mentalität normal wird und wir bald in jedem Quartier ‘unserer freien Schweiz’ solche Dinger montiert haben. Das kann ja wohl auch nicht der Sinn sein. Aber die Entwicklung in jene Richtung ist bemerkenswert. Auch die Mini-Cams für Raumüberwachung, die man etwa im dicken Katalog von CONRAD (www.conrad.com) bestellen kann, machen nachdenklich. Da ist wohl schon so mancher in Etablissements gefilmt (oder zumindest) im Nebenraum beobachtet worden. Wenn solche Aufnahmen in falsche Hände geraten, dann gute Nacht. Na die Technik wird wohl bald ‘Störsender’ entwickeln, die solche Geräte in Gebäuden entscheidend stören… Ja, ja die technische Aufrüstung…

#8

Hallo Massi

Ich weiss nicht, ob Du mich gemeint hast, mit Deiner Kritik. Falls ja, fühle ich mich doch etwas missverstanden. Ich wollte nicht sagen, dass mir die Sache einfach egal ist, weil ich nicht dorthin gehe (sonst hätte ich ja meinen Bericht nicht geschrieben), sondern dass es mich persönlich einfach nicht betrifft.
Die zunehmende Überwachungsmentalität im allgemeinen (und da mein ich auch so banale Dinge wie cumulus-Karten etc., die uns immer mehr zum gläsernen Menschen umfunktionieren) gibt mir schon zu denken, besonders auch was andere aus den USA und GB berichten.
Ich denke aber, man müsste die Sache differenzierter ansehen. Die Oltener Polizei kenne ich schlecht, aber aus Gesprächen mit Mädchen in Zürcher Salons hab ich doch rausgehört, dass die Polizei nicht unbedingt der “BöFei” der Prostitution ist. Ein seriöser Salon, der keine Illegalen beschäftigt, hat von der Polizei eigentlich nichts zu befürchten. Im Gegenteil, sie bietet Beratung und Hilfe gegen allfällige Schutzgelderpressungen sogar an, wie mir ein Mädchen erzählt hat.
Der Polizei geht es meiner Meinung nach nicht um die Zerschlagung der Prostitution im allgemeinen, sondern um den Kampf gegen kriminelle Auswüchse im Milieu. Dass es einzelne Polizisten gibt, die sich bei einer Salonkontrolle uns Freiern gegenüber unfair aufführen und den “grossen Macker” raushängen, kann ich mir gut vorstellen. Und dass es dann sehr mühsam werden kann, da gebe ich Dir völlig recht. Und dass sich gewisse Politiker als Saubermänner profilieren wollen ist leider Gottes ebenfalls nicht zu leugnen.
Deshalb meine Forderung, die Prostitution endlich ganz zu legalisieren, denn was legal ist, braucht man auch weniger zu überwachen.

In der Hoffnung mich nun deutlicher ausgedrückt zu haben grüsst noch einmal

Jean Luc

#9

Hallo Jean Luc

Ich denke, so weit gehen unsere Meinungen wirklich nicht auseinander. Danke für die Präzisierung!

Bin beim diesem Thema aufgrund meiner Erfahrungen (auf die ich nicht im Detail eingehen will, sorry…) wohl ein bischen empfindlich.

Gruss
Massi

#10

Hallo Forumleser

Letzte Woche fuhr ich mal wieder mal durch die besagten Strassen von Olten und musste feststellen, dass die Nachfrage für diese Dienste zwar sehr gross ist (viele anscheinend Neugiereige), jedoch das Angebot überhaupt nicht mehr vorhanden ist.
Ob das wohl nur an den besagten Kameras liegt ist wohl am Naheliegendsten.
Jedenfalls habe ich noch einige Seitenstrassen direkt in der Nähe abgefahren, aber weit und breit keine direkte Verlagerung der Damen feststellen können.

Doch wenn die Polizei wirklich jedes Auto genauer kontrollieren möchte sind das wohl an die gut hundert Fahrzeugen pro Stunde (natürlich in der Hauptverkehrszeit!!). Und ob da wirklich alle nur das Eine wollen ist manchmal auch recht fragwürdig.

Gruss
Brownie